Wenn ein Pflanzenschutzmittel auf einem Bio-Knospe-Betrieb zum Einsatz kommt, hat es zuvor drei Hürden genommen: Die generelle Zulassung durch das Bundesamt für Landwirtschaft, die Anforderungen gemäss staatlicher Bioverordnung und die zusätzlichen Richtlinien und Grundsätze von Bio Suisse. 

Bundesamt für Landwirtschaft als erste Zulassungsstelle

Bevor ein Pflanzenschutzmittel verwendet werden darf – ob bio oder konventionell -, muss es vom Bund zugelassen werden. Dabei werden neben der Wirksamkeit auch die Risiken in Bezug auf Mensch, Tier und die Umwelt überprüft. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) ist in der Schweiz die Zulassungsstelle für Pflanzenschutzmittel. Gesuche müssen beim BLW mit einem umfassenden Dossier eingereicht werden, dessen Bestandteil auch verschiedene, durch den Gesuchssteller veranlasste Studien sind. Die wissenschaftliche Beurteilung dieser Studien erfolgt durch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), das Bundesamt für Umwelt (Bafu), das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), sowie die zum BLW gehörende Forschungsanstalt Agroscope. Gestützt auf die Ergebnisse der Beurteilung wird entschieden, ob und unter welchen Bedingungen (Anwendungseinschränkungen und Massnahmen zur Risikoreduktion) die Anforderungen für eine Zulassung erfüllt sind oder nicht. Das BLW prüft nicht nur die Zuläsigkeit eines Mittels, sondern auch jede einzelne Anwendung. Dabei legt es verschiedene Anwendungseinschränkungen fest, z.B. die maximale Anzahl Behandlungen oder die Wartefrist bis zur Ernte.

Zusätzlich Gelten die Bioverordnung…

Der grösste Teil aller Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe ist chemisch-synthetisch und kommt damit für den Biolandbau nicht in Betracht. Nur ein kleiner Bruchteil der Wirkstoffe, nämlich solche mit pflanzlichem, tierischem, mikrobiellem oder mineralischem Ursprung dürfen im Biolandbau verwendet werden. Die erlaubten Wirkstoffe sind im Anhang 1 der Bioverordnung des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) aufgeführt. Der Einsatz von Wachstumsregulatoren (z.B. Kurzspritzen von Getreide) und Herbiziden (z.B. Unkrautvernichtung oder Kartoffelkrautvernichtung vor der Ernte) ist im Biolandbau ganz verboten, auch wenn die Mittel zum Beispiel pflanzlichen oder mineralischen Ursprungs wären. 

…und die Richtlinien und Grundsätze von Bio Suisse

Eine letzte Hürde sind die privatrechtlichen Vorgaben von Bio Suisse (Bio-Knospe) und Demeter, den beiden wichtigsten privaten Schweizer Biolabel. Aufgrund der Richtlinien und Grundsätze von Bio Suisse und der Vorgaben von Demeter prüft das Forschungsinstituts für Biologischen Landbau (FiBL) die entsprechenden Gesuche der Hersteller oder Händler und nimmt die Mittel allenfalls in die FiBL-Betriebsmittelliste auf. Diese Liste beschreibt detailliert, in welchen Kulturen und in welcher Menge und Form die Mittel zugelassen sind und ist für die Produzenten von Bio Suisse und Demeter verbindlich.  Die Liste enthält auch alle bewilligten Dünger und Substrate, Reinigungs-, Desinfektions- und Hygienemittel, Mittel gegen Parasiten sowie Futter- und Siliermittel. 

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