In den letzten Jahren wurden in der Schweiz  mengenmässig zwar immer weniger Pestizide eingesetzt. Gleichzeitig ist aber das Risiko für die Natur nicht gesunken. Im Gegenteil: Gerade bei Insektiziden nahm das Risikopotenzial der verwendeten Wirkstoffe zu. 

Die Menge sagt noch nichts über das Risiko aus

Der Einsatz von Pestiziden im Feldbau wird seit 2009 jährlich im Rahmen des Agrarumweltmonitorings der Schweiz  erfasst. Die jüngste Auswertung dieser Zahlen durch Mitarbeiter der staatlichen Forschungsstelle Agroscope zeigt folgendes Bild: Die Menge der schweizweit im Feldbau eingesetzten Pflanzenschutzmittel ist von 2012 bis 2018 um gut 30 Prozent zurückgegangen. Nicht entsprechend gesunken ist aber das Risiko der Wirkstoffe für die Umwelt, speziell für Oberflächengewässer. Das hat seinen Grund. Einige Wirkstoffe stellen, obwohl in geringen Mengen eingesetzt, ein grösseres Risiko dar, andere Wirkstoffe, obwohl in grossen Mengen eingesetzt, sind ein geringes Risiko. So ist etwa der mengenmässig mit am häufigsten eingesetzte Wirkstoff Kaolin nichts anderes als vermahlener Stein und kommt im Boden tonnenweise vor. 

Insektizide: Wirkstoffe mit höherem Risiko eingesetzt

Damit die Wirkstoffe mit grösserem Risikopotenzial trotzdem eingesetzt werden können, verfügt das Bundesamt für Landwirtschaft Auflagen zur Risikominderung. So sollen gefährliche Stoffe gleichwohl eingesetzt werden können, aber die Landwirtinnen und Landwirte müssten sich dabei vorsichtiger verhalten. Zu diesen Vorsichtsmassnahmen gehören etwa Abstände von bis zu 100 Metern zu Oberflächengewässer beim Ausbringen von besonders risikoreichen Wirkstoffen. Die Studienautoren sehen in diesen Auflagen einen Erfolg: Das Risiko für Oberflächengewässer sei teils deutlich gesunken. Allerdings: Ohne Berücksichtigung der Auflagen nahmen die Risikopotenziale nur bei Fungiziden ab, bei Insektiziden stiegen sie und bei Herbiziden blieben sie konstant.

Bundesrat will Risiken bis 2027 halbieren

Doch offenbar traut selbst der Bundesrat den momentanen Zulassungen und Auflagen nicht zu, Mensch, Tier und Umwelt genügend zu schützen. Jedenfalls will er die Risiken beim Einsatz von Pestiziden weiter reduzieren und nahm dazu eine entsprechende Initiative der Wirtschaftskommission des Ständerats an. Diese will unter anderem die Risiken für Oberflächengewässer, naturnahe Lebensräume und als Trinkwasser genutztes Grundwasser bis 2027 halbieren. Eine äusserst hilfreiche Massnahme dazu wäre eine breitflächige Umstellung auf die biologische Landwirtschaft. 

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