Untersuchungen des Wasserforschungsinstituts der ETH (Eawag) zeigen: Viele Oberflächengewässer sind stark mit Pestiziden belastet. Je nach Standort hat das Eawag in kleineren Bächen bis zu 89 Wirkstoffe nachgewiesen. Diese weisen ein Risikopotenzial auf, das die Lebensgemeinschaften in den Gewässern akut beeinträchtigen könnte. Mehr Biolandbau würde zur Reduktion beitragen. 

Bio-Betriebe schonen Bäche, Grund- und Trinkwasser

Bio-Betriebe verzichten auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden und schonen so Gewässer, Grund- und Trinkwasser. Ein möglichst hoher Anteil an Bio-Betrieben würde die Belastung von Oberflächengewässern massiv entschärfen. Von den Pestiziden, welche die Eawag in den Oberflächengewässern festgestellt hat, stammt keines aus dem Biolandbau. Auch wenn die im Biolandbau zugelassenen Pflanzenschutzmittel nicht alle unproblematisch sind – Kupfer zum Beispiel gilt nach wie vor als Problemstoff: Ein möglichst hoher Anteil an Bio-Betrieben hilft, die Oberflächengewässer frei von schädlichen Pestiziden zu halten. Bio Suisse arbeitet mit verschiedenen Massnahmen auf das Fernziel Bioland Schweiz hin. Dazu gehören etwa die Unterstützung von Forschung und Beratung, Marketing- und Qualitätssicherungsmassnahmen sowie die politische Einflussnahme. 

EAWAG stellt Gefahr für Gewässer-Organismen fest

Dass chemisch-synthetische Pestizide in fast allen Gewässern anzutreffen sind, zeigen die regelmässigen Untersuchungen des Wasserforschungsinstituts der ETH (Eawag). Vom März bis im Oktober 2017 hatten die Eawag und das Oekotoxzentrum Proben aus fünf kleineren Bächen mit unterschiedlichen landwirtschaftlichen Nutzungen in den Einzugsgebieten laufend auf Pestizide untersucht. Die im April 2019 publizierten Ergebnisse sind erschreckend: Pro Standort wurden zwischen 71 und 89 Wirkstoffe gefunden, insgesamt 145 Stoffe. Insgesamt ein Cocktail an Herbiziden, Fungiziden, Herbiziden und anderen Stoffen. Über dreieinhalb bis sechseinhalb Monate lang, das heisst stellenweise während der ganzen Vegetationszeit, bestand ein Risiko für eine chronische, also schleichende Schädigung der Organismen im Bach. Während 14 bis 74 Tagen war das Risiko so hoch, dass mit akuten Beeinträchtigungen der Lebensgemeinschaften gerechnet werden muss.

Umweltverbände fordern Paradigmenwechsel

Die Umweltverbände Bird Life, Greenpeace, Pro Natura und WWF wollen die von der Eawag festgestellten Verunreinigungen nicht hinnehmen. Keines der Gewässer habe den Vorgaben der Gewässerschutzverordnung entsprochen. Die Verbände fordern die Politik und die Landwirte und Landwirtinnen zum Umdenken auf: Es brauche dringend einen Paradigmenwechsel weg vom Einsatz von Pestiziden hin zur ökologischen Landwirtschaft.  Die Artenvielfalt an Wasserorganismen sei auf sauberes Wasser angewiesen. Und weil Gewässer auch in Verbindung mit dem Grundwasser stehen, werden vermutlich viele der beanstandeten Wirkstoffe über kurz oder lang auch im Trinkwasser auftauchen.

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