Pestizide sind überall, auch ausserhalb der Orte, an denen sie eingesetzt werden. Sie werden mit Staubpartikeln, als mikroskopische Tröpfchen oder als Gase weit verbreitet. Man findet ihre Rückstände in Baumrinden, auf Spielplätzen, in Naturschutzgebieten und auch auf Kulturland, wo weit und breit keine Pestizide eingesetzt werden.

Baumrinde
Baumrinde

Bio vermeidet Pestizide – und ist trotzdem betroffen

Die biologische Landwirtschaft bringt selber keine chemisch-synthetischen Pestizide aus, ist aber trotzdem betroffen. Dies zeigen neuere Studien. Die bisher grösste deutsche Studie analysierte in den Jahren 2014-18 47 Standortproben über das Luftgüte-Rindenmonitoring Insgesamt wurden mehr als 100 Pestizid-Wirkstoffe von mehr als 500 Pestiziden in der Luftbelastung nachgewiesen – inklusive Glyphosat. Davon haben die Autoren über ein Dutzend als Hauptproblemstoffe identifiziert, die sich weiträumig über die Luft verbreiten und damit sowohl die Umwelt, Konsumenten als auch den Bioanbau belasten. Besonders weiträumig verbreiten sich die beiden Herbizidwirkstoffe Pendimethalin (an über 87 % der Standortproben) und Prosulfocarb. Damit bestätigt die Studie frühere Untersuchungen. 

Neonicotinoide: In der Schweiz Breit Nachgewiesene Insektizide

Neonicotinoide sind die weltweit mit am weitesten verbreitete Klasse von Insektiziden. Breit eingesetzt werden sie seit den 1990er-Jahren. Eine Studie der Universität Neuenburg untersuchte die Konzentrationen von fünf Neonicotinoid-Insektiziden (Imidacloprid, Clothianidin, Thiamethoxam, Thiacloprid, Acetamiprid) in 702 Boden- und Pflanzenproben auf 169 Feldern. Untersucht wurden konventionelle, IP-Suisse- und Bio-Betriebe im Schweizer Mittelland. Dabei wurde nicht nur in 100 Prozent der konventionellen und IP-Suisse-Flächen mindestens ein Neonicotinoid nachgewiesen, sondern auch in 93 Prozent der biologisch bewirtschafteten Böden und Nutzpflanzen sowie in mehr als 80 Prozent der Ökologischen Ausgleichsflächen. 

Nützlinge sind gefährdet

Alarmierend dabei ist nicht nur der Nachweis der Wirkstoffe in Feldern, wo sie gar nicht angewendet werden, sondern auch die von den Autoren berechnete mögliche Gefährdung von 72 Nützlings- und 12 Schädlingsarten. In der Studie wurde berechnet, wie sich die vorgefundenen Mengen an Neonicotinoiden auf die wirbellosen oberirdischen Tierarten auswirken könnten. Die Autoren kommen zum Schluss, dass sich die durchschnittlich vorgefundenen Rückstände im Erntegut von konventionellen und IP-Suisse-Feldern auf 5,3 bis 8,6 Prozent der untersuchten oberirdischen wirbellosen Tierarten tödlich auswirken können. Aus Pflanzenteilen von Bio-Feldern und Ökologischen Ausgleichsflächen hingegen würde keine dieser Arten einer tödlichen Konzentrationen ausgesetzt sein, selbst unter einem Worst-Case-Szenario nicht. Hingegen kommen die Autoren zum Schluss, dass auch dort die Nützlinge aufgrund der schädlichen, aber nicht tödlichen Rückstandsdosis, beeinträchtigt werden.

Die Studie deutet darauf hin, dass eine Kontamination mit Neonicotinoiden einen bedeutenden Teil der Nützlinge schädigen kann. Die Verwendung von Neonicotinoiden bei Nutzpflanzen kann die biologische Vielfalt in Zufluchtsgebieten bedrohen und gleichzeitig den integrierten und biologischen Pflanzenschutz behindern. 

Das Bundesamt für Landwirtschaft hat auf Ende 2018 die Anwendung im Freiland von drei Neonicotinoiden (Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam) verboten. Ziel des Verbots ist es, Bestäuberinsekten zu schützen.

Agroscope: Mit Bio Nehmen Pestizide AB

Auch die Mitarbeitenden der staatlichen Forschungsanstalt Agroscope befassen sich seit Jahren mit Pflanzenschutzmitteln – ihrem Einsatz, ihrer Wirkung und den unerwünschten Auswirkungen im Boden und in den Pflanzen. Unter anderem untersucht Agroscope Spuren von über 40 Pflanzenschutzmitteln in verschiedenen Böden und landwirtschaftlichen Systemen. Zwischenresultate des 2018 gestarteten Forschungsprogrammes zeigen unter anderem, dass in biologisch bewirtschafteten Böden die Anzahl und Konzentration der gemessenen Wirkstoffe mit der Dauer der biologischen Bewirtschaftung abnimmt.

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