Pestizide aus der Landwirtschaft belasten unser Grundwasser und damit das Trinkwasser. Bei rund 1 Million Schweizerinnen und Schweizern entspricht das Trinkwasser wegen den Pestizidrückständen nicht mehr den lebensmittelrechtlichen Anforderungen. Der Biolandbau könnte das Problem lösen.

Nur noch BioAnbau in den Grundwasser-Schutzzonen

Das Schweizer Grundwasser ist mit Pestiziden belastet. Im Bericht der Nationalen Grundwasserbeobachtung Naqua aus dem Jahr 2019 wurden die Daten von 600 Messstellen aus den Jahren 2007 bis 2016 ausgewertet und veröffentlicht. An über der Hälfte der Messstellen wurden Rückstände von Pestiziden festgestellt. Bei jeder fünften Grundwasser-Messstelle überschreiten die Rückstände des Pestizid-Cocktails den Wert von 0,5 µg/l (Mikrogramm  pro Liter). Zwei Prozent der Messstellen überschreiten den Grenzwert von 0,5 µg/l  für besonders gefährlich eingeschätzte Rückstände.

Die besonders gefährlichen Pestizid-Wirkstoffe, welche in den letzten Jahren den Grenzwert an mehreren Messstellen überschreiten, sind die Herbizid-Wirkstoffe Bentazon, Metolachlor und Atrazin sowie gemäss neusten Erkenntnissen der Fungizid-Wirkstoff Chlorothalonil. Diese Pestizide werden vor allem in Ackerland eingesetzt und gelangen von dort ins Trinkwasser. Besorgniserregend ist dies auch, weil Atrazin seit über 10 Jahren in der Schweiz verboten ist, aber immer noch über dem Grenzwert nachgewiesen wird. Seit dem 1. Januar 2020 ist nun auch der Einsatz von Chlorothalonil verboten.

Schweizer Bio-Betriebe dürfen keines dieser chemisch-synthetischen Pestizide einsetzen. Entsprechend positiv ist die Auswirkung des Biolandbaus auf die Grund- und Trinkwasserqualität.

Biolandbau zum Grundwasserschutz

Dennoch können auch die für den Biolandbau zugelassene Wirkstoffe im Gewässer negative Effekte auslösen. In der Regel werden aber die natürlichen Pflanzenschutzmittel schneller und ohne problematische Umbauprodukte abgebaut als synthetische Stoffe. Eine Ausnahme stellt Kupfer dar, das nicht abbaubar ist. Über 90 Prozent des Kupfers wird jedoch im konventionellen Landbau eingesetzt. 

Aus Sicht einer nachhaltigen Ernährungswirtschaft ist es auch nicht sinnvoll, den Acker- und Gemüsebau aus den Grundwasser-Schutzzonen zu verbannen und nur noch Grünland für die Tierfutterproduktion zuzulassen, wie das etwa im Wasserfassungsgebiet der Stadt Morges geschah (siehe Film unten). Darum setzt sich Bio Suisse dafür ein, in den Grundwasserschutzzonen nur noch Biolandbau zuzulassen, eine Forderung, die auch vom internationalen Trinkwasserverband AWBR unterstützt wird. Zudem arbeitet Bio Suisse mittel- bis langfristig auf das “Bioland Schweiz” hin. 

Wichtig ist der Langfristige Schutz des Trinkwassers

Bedenklich ist die angeschlagene Grundwasserqualität vor allem, weil wir unser Trinkwasser zum grössten Teil aus dem Grundwasser beziehen.  Grundwasser, das als Trinkwasser genutzt wird oder dafür vorgesehen ist, muss dem Lebensmittelrecht entsprechen. Für einzelne Pestizid-Wirkstoffe und deren gefährliche Abbaustoffe gilt ein Grenzwert von 0,1 µg/l. Wasserversorger schätzen, dass aktuell rund 1 Mio. Menschen im Mittelland mit Trinkwasser versorgt werden, das wegen den Pestizidrückständen nicht mehr dem Lebensmittelrecht entspricht.

Viele Stoffe werden nach wie vor gar nicht gemessen. Viele Abbauprodukte werden als “nicht relevant” eingestuft. Ein Blick in die Geschichte zeigt aber, dass sich mit neuen Messmethoden und neuen Studien immer wieder neue Stoffe als schädlich für die Umwelt und Gesundheit der Menschen entpuppen. Dabei wiederholt sich immer wieder das gleiche Muster: Die Wirkstoffe werden zu Beginn von den Zulassungsstellen als unbedenklich eingestuft und erst zurückgerufen, wenn der Schaden schon angerichtet ist, bzw. Studien die Gefährlichkeit schwarz auf weiss belegen. Dann aber haben sich die Rückstände schon im Grundwasser oder im Boden und der Nahrungskette angesammelt (z.B. DDT, Atrazin, Chlorothalonil). Da sich das Grundwasser nur langsam erneuert, wären radikale Massnahmen zum Schutz und Erhalt der Grundwasserressourcen angezeigt. 

Unterschiedliche Interessen der Bundesämter

Für den Laien sind die Diskussion über die Wasserqualität und die entsprechenden politischen Massnahmen oft unübersichtlich, weil mehrere Behörden mit unterschiedlichen Interessen beteiligt sind: das Bundesamt für Umwelt und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit als Schutzstelle für Mensch und Umwelt, das Bundesamt für Landwirtschaft als Zulassungsstelle für Pestizide sowie verschiedene staatliche und private Forschungsstellen. Für den Vollzug sind kantonale und kommunale Behörden zuständig. Die Beteiligten haben teilweise unterschiedliche Einschätzungen zur Schädlichkeit. Und es wird über jeden einzelnen Stoff und seine Abbauprodukte gestritten. Zudem gelangen Schadstoffe nicht nur von der intensiven Landwirtschaft, sondern auch von Industrie, Gewerbe und Haushalten ins Grundwasser; dies vor allem entlang der Fliessgewässer.

 

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