Quizfrage: Dürfen auf einer Kuhalp Pestizide eingesetzt werden? Antwort: Ja. Diese Antwort dürfte die meisten überraschen. In den Schweizer Sömmerungsgebieten dürfen unerwünschte Pflanzen mit Herbiziden todgespritzt werden. 

Auf Bio-Alpen sind Pestizide Tabu

Es gibt schon eine ganze Anzahl Bio-Alpen, auf welchen entsprechend den Richtlinien von Bio Suisse keine Pestizide oder Kunstdünger zum Einsatz kommen.

Viele Alpen gehören aber seit Jahrhunderten mehreren Bauernfamilien zusammen. Heute sind das vielfach sowohl Biobauern als auch Bauern, die ihren Betrieb nicht biologisch bewirtschaften. Weil diese Besitzverhältnisse eine rein biologische Bewirtschaftung verunmöglichen, müssen viele Bio-Kühe weiterhin auf konventionellen Alpen gesömmert werden.

Auch deshalb setzt sich das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) dafür ein, dass die Schweizer Sömmerungsgebiete möglichst naturnah gepflegt werden; so etwa mit dem Beratungsprojekt DigiPlanAlp. Bio Suisse und FiBL setzen sich sowohl in der Praxis als auch in der Politik für Schweizer Alpgebiete ohne chemisch-synthetische Pestizide ein.

Pestizide auf Schweizer Alpen? Leider alltag

Das Sömmerungsgebiet wird mit der Agrarpolitik 2014-2017 stärker gefördert als früher. Sowohl der Talbetrieb als auch die Sömmerungsbetriebe erhalten einen Beitrag pro gealptes Tier. Vermutlich würden viele Alpen gar nicht mehr bestossen, wenn diese Direktzahlungen nicht mehr ausgerichtet würden. Als Gegenleistung müsste eigentlich der Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide erwartet werden. Touristen erwarten unberührte Natur und viele Alpgebiete enthalten Quellfassungen oder sind Teil eines erweiterten Einzugsgebiets. 

Tatsächlich ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Sömmerungsgebiet heute rechtlich bereits eingeschränkt. Es dürfen einzig bestimmte Herbizide zur Einzelstockbehandlung eingesetzt werden. Mit Bewilligung der zuständigen kantonalen Fachstelle und im Rahmen eines Sanierungsplans dürfen sie sogar zur Flächenbehandlung eingesetzt werden, eine Massnahme welche die Behörden aber zum Glück nur selten bewilligen.

In der Praxis ist leider oft zu beobachten, dass von Laien und Fachleuten regelmässig und flächig Herbizide ausgebracht werden. Die grösste Alpbesitzerin der Schweiz (in der Innerschweiz) gibt ihren Pächtern und Bewirtschaftern die Herbizide sogar gratis ab.

Und viele Weide- und Wildtiere fressen behandelte Pflanzen, weil sie offenbar mit dem Dörren einen attraktiveren Geschmack entwickeln.

Bio Suisse fordert ein Verbot

In dieser Situation fordert Bio Suisse ein Verbot des Pestizideinsatzes im Sömmerungsgebiet. Dies schafft Rechtssicherheit für alle Beteiligten, entlastet Mensch, Tier und Natur und gibt ein positives Signal für den Tourismus. Unser Nachbarland und Tourismuskonkurrent Österreich bereits kennt bereits heute ein generelles Verbot des Einsatzes von Herbiziden im Sömmerungsgebiet.

Ein Postulat von Biobäuerin Maya Graf (Grüne, BL) forderte 2017  den Bundesrat auf, ein Verbot des Pestizideinsatzes im Sömmerungsgebiet zu prüfen und die entsprechenden Verordnungen zu überarbeiten.

In seiner Antwort lehnte der Bundesrat das Postulat ab und verwies auf die Notwendigkeit Problempflanzen wie Alpenblacken, Alpenkreuzkraut oder Weisser Germer zu bekämpfen und das dies mit reiner Handarbeit aufgrund der begrenzten Arbeitsressourcen für das gesamte Sömmerungsgebiet “herausfordernd” wäre. Auch der Nationalrat lehnte das Postulat leider ab. 

FiBL-Beratung zeigt: “Ohne” ist möglich

DigiPlanAlp ist ein Verbundprojekt zum Thema „Problempflanzen auf Alpen“ zwischen Agridea, FiBL, Agroscope und dem Büro Alpe. Im Auftrag des Bundesamts für Landwirtschaft wurde das bestehende praktische und theoretische Wissen im Umgang mit Problempflanzen im Sömmerungsgebiet aufgearbeitet und digitalisiert. Die Inhalte werden auf der Website patura-alpina.ch in Kurzfilmen auf Youtube und der Agridea-App verbreitet. Folgender Film zeigt die pestizidfreie Regulierung des Alpenkreuzkrautes. 

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