Ein konventioneller Betrieb muss gegenüber dem Wald oder Gewässern Pufferstreifen von mindestens drei Metern anlegen, auf denen er keine Pflanzenschutzmittel einsetzen darf. Gegenüber Bio-Feldern ist er zu dieser Vorsichtsmassnahme nicht verpflichtet. Das Risiko trägt gemäss geltendem Recht die Bio-Bäuerin und der Bio-Bauer. 

Bio nicht gefeit gegen Schadstoffe aus der Umwelt

Konsumentinnen und Konsumenten erwarten von Bio-Produkten, dass sie umweltschonend angebaut werden und keine Pestizidrückstände enthalten. Diese Erwartung wird in den meisten Fällen erfüllt.

Biologische Produkte werden häufig in einem konventionellen landwirtschaftlichen Umfeld produziert, wo chemisch-synthetische Pestizide zum Einsatz kommen. Heute können  kleinste Mengen davon nachgewiesen werden. 

Regelmässig werden Bio-Produkte  auf Rückstände untersucht. In den meisten Fällen enthalten sie keine oder nur sehr geringe Spuren von Pestizidrückständen. Eine vollständige Rückstandsfreiheit ist praktisch unmöglich, da auch Bio-Produkte nur so sauber sein können, wie die Umwelt es ist.

Biobetriebe müssen sich selbst gegen abdrift schützen

Ein besonders ärgerliches Problem ist die Pestizid-Abdrift von nicht biologisch bewirtschafteten Nachbarfeldern auf Bio-Kulturen. Denn ein konventioneller Landwirt oder eine konventionelle Landwirtin dürfen ihre Pestizide bis an den Rand des biologischen Nachbarfeldes ausbringen, falls sie die so genannten “Grundsätze der guten Pflanzenschutzpraxis” einhalten.

Das Risiko einer Kontamination durch Pestizide muss einseitig vom Bio-Betrieb getragen werden. Dieser ist dafür verantwortlich, dass seine Bio-Produkte nicht mit Rückständen belastet werden. Er kann dieses Risiko minimieren, indem er etwa einen Pufferstreifen ausscheidet, auf dem er Gras statt Lebensmittel anpflanzt. Oder er pflanzt eine Hecke, die vor Pestizid-Abdrift schützt.

Im Fall einer Kontamination können Bio-Produkte deklassiert werden. Je nach Schwere des Falls können sie nur noch als konventionelle Produkte verkauft werden oder müssen sogar verbrannt werden. Bio-Landwirtinnen und Bio-Landwirte müssen mit Sanktionen bei den Direktzahlungen rechnen.

Letzte Massnahme – der Gang zum Gericht. Der Schaden wird vergütet, wenn der Bio-Betrieb den Beweis erbringen kann, wer für die Kontamination verantwortlich ist. Das ist in der Praxis sehr schwierig, weshalb Schadenersatz kaum je fällig wird.

Diese Praxis, die dem gesunden Menschenverstand widerspricht, war schon Thema einer Interpellation in den Eidgenössischen Räten. Der Bundesrat verwies dabei lediglich auf die “Grundsätze der guten Pflanzenschutzpraxis”. Diese setzt etwa einwandfreie Geräte voraus und verbietet die Ausbringung von Pestiziden, wenn die Windstärke gemäss Beaufort-Skala die Stufe 4 erreicht oder überschreitet.

Links